| Ein skurril-poetischer Roman um eine Frau am Scheideweg und den
Jahrmarkt moderner Glücksversprechungen... Inhalt:
Das Leben
ist grausam wie eine Vorabendserie
Das muss die 40jährige Karen erfahren, die als Sriptschreiberin immer knapp am
beruflichen Durchbruch vorbei arbeitet. Als ihr Mann Jean sie nach 15 Jahren Ehe
plötzlich verlässt, inszeniert sie im Grenzland zwischen Frankreich und Deutschland
einen filmreifen Selbstmord. Doch die einfache Lösung für alle Probleme endet in einem
slapstickartigen Desaster.
Zurück bleibt eine verwirrte Frau, die verlernt hat, wie das Leben funktioniert. Der
jungen Geliebten des Ehemannes würde Karen am liebsten einen Giftsalat aus Stechapfel und
Belladonna servieren, aber das hilft ihr genauso wenig wie der Scheidungsratgeber einer
wohlmeinenden Freundin. Fest steht nur eins: Glück muss her. Wenigstens ein Zipfelchen.
Mit dem Mut zur Verzweiflung, aber auch einer gehörigen Portion Lebendigkeit packt sie
ihr neues Leben an und kommt dabei nicht nur auf den Hund. Sie entdeckt viel mehr,
dass man das Glück genau da findet, wo man es nicht sucht.
Petra van Cronenburg weiß,
was Frauen in Trennungssituationen empfinden. Deshalb ist ihr das Kunststück gelungen,
nicht nur ein unverwechselbares, sondern auch ein amüsantes und ermutigendes Buch zu
schreiben: ironisch, frisch und bestechend aufrichtig.
Die
Buchidee
Viele glauben, Buchideen
würden einem von der Muse auf die Stirn geküsst. Oder sie flögen im prosaischeren Fall
wie Grippeerreger durch die Luft und irgendein Autor infiziert sich damit. Im wahren Leben
ist das mit den Buchideen natürlich viel langweiliger. Als Autorin beobachte ich intensiv
die Menschen um mich herum. Ich will wissen, was sie umtreibt und beschäftigt, was ihnen
Angst macht oder Freude. Ich will wissen, warum Menschen so handeln, wie sie handeln. Und
natürlich beobachtet man so auch sich selbst....
Buchideen enstehen bei mir wie
ein Parfum. Man findet einen Grundstoff, ein paar Ingredienzien. Das kann ein Satz in
einem Film sein, ein Zeitungsartikel, das Erlebnis einer Nachbarin - der Rohstoff ist in
diesem Zustand noch austauschbar und trägt nicht für eine Geschichte. Es muss die Nase
dazukommen, die die Stoffe zu einem Duft mischt, der nicht nur der Autorin Spaß macht,
sondern vor allem den Leserinnen und Lesern gefällt. Dieser Teil der Arbeit ist ein
Geheimnis, hat etwas von Magie - denn mich zwingt an jenem Punkt meine Geschichte zum
Schreiben. Manchmal diktieren die Charaktere...
Auch die Idee von
"Stechapfel und Belladonna" ist aus dem prallen Leben gegriffen. Der
"Anlasser" war meine eigene Scheidung, die mich in einen Writer's Block
getrieben hatte. Um nicht aufzuhören mit dem Schreiben, führte ich damals Tagebuch.
Bekanntlich sind aber zwei Dinge erbitterte Feinde eines Romans: Das therapeutische
Schreiben und das eines Tagebuches. Dabei hatte ich gar nicht vor, diese Geschichte jemals
für professionelles Schreiben zu verwenden!
Als ich mit zeitlichem und
emotionalem Abstand mein Tagebuch aus dieser Zeit wieder zur Hand nahm, brach ich in
schallendes Gelächter aus. Das hatte wirklich ich geschrieben? War ich von Sinnen
gewesen? Seitenweise nölte mich eine Frau an, die in Selbstmitleid zerfloss und belegte,
warum die Welt schlecht war und sie auf ewig unglücklich bleiben müsse. Ich konnte es
nicht glauben, aber ich hatte in dieser Zeit tatsächlich genau nach Schema F
funktioniert. Die Frau, die dieses Tagebuch geschrieben hatte, kam mir vor wie ein
Klischee aus einem Heftchen oder ein Schulbeispiel im Psychoratgeber. Zum Glück war ich
nicht so geblieben!
Abends sah ich im Fernsehen
irgendeine blödsinnige Werbung, die jede Menge Glück zum Kaufen versprach. In meiner
Selbstmitleidsphase wäre ich wahrscheinlich darauf hereingefallen. Stattdessen stellte
sich in meinem Kopf dieses kribbelige Gefühl ein, das zeigt, wie die Nase arbeitet....
mein zum Glück überstandenes larmoyantes Ich verwob sich mit der dumpfen Werbung... und
oszillierte mit einem unglaubhaften, absolut banalen Beziehungskisten-Film am Vorabend.
Meine Protagonistin Karen war
geboren. Ich würde sie Achterbahn fahren lassen durch den Scheidungszirkus, auf der Suche
nach dem persönlichen und beruflichen Glück. Sie würde tun, was mir erspart geblieben
ist: All die feinen Glücksversprechungen der Konsumwelt ausprobieren... Ich setzte mich
an den Computer und war gespannt, wie es ihr ergehen würde...
Wie
autobiografisch ist ein Roman?
Ich bin mir bewusst, dass
durch die anfängliche Gemeinsamkeit von Karen und mir (eine Scheidung) jede Menge Leute
nach Parallelen unserer beiden Leben suchen werden. Sicher wird der ein oder andere das
auktoriale Ich mit der Autorin verwechseln. Ich erlebe dieses Phänomen immer wieder bei
Testlesern. Da findet sich eine Freundin in einer garantiert zu 100% erfundenen Figur
wieder und meint Leute zu erkennen, die mir noch nie begegnet sind.
Tatsächlich jedoch wäre mein
Leben zu langweilig für einen Roman. Ich sitze ja die meiste Zeit am Computer und
schreibe von früh bis spät! Oft verstecken Schriftsteller ihre eigenen Erlebnisse oder
Eigenheiten in vielen Figuren, nicht nur in einer. Aber Fiktion muss sein. Hätte ich ein
Trennungsgespräch oder eine Scheidungsverhandlung 1:1 aus dem Leben abgeschrieben - Sie
würden sich langweilen. Hätte ich wahre Personen verwendet, wäre das Konglomerat nie
ein Roman geworden. Nein, ich bin froh, dass ich nicht Karen bin. Ihr Leben wäre mir doch
zu aufregend...
Handlungsort
Europa
Meine Schreibsprache ist
Deutsch und zuerst wollte ich den Roman in Deutschland spielen lassen. Da habe ich
gemerkt: ich kann das nicht mehr! Ich bin vor 15 Jahren nach Frankreich emigriert, also so
richtig mit allem Drum und Dran gegangen. Dazwischen habe ich vier Jahre in Polen gelebt.
Hier, in der Nähe der Europahauptstadt Strasbourg, führe ich ein recht internationales
Leben - komme mit Menschen aller möglichen Nationen, Sprachen, Kulturen und Religionen
zusammen. Dieses Leben gewordene Europa fasziniert mich, in dem jeder seine Eigenheiten
pflegen kann, ohne vor dem Fremden Angst zu haben oder Hass schüren zu müssen.
Ich habe mich dabei ertappt,
dass ich, wollte ich einen Roman wirklich ganz in Deutschland spielen lassen, aufwendig
recherchieren müsste. Ich weiß nicht einmal mehr, wie auf der anderen Seite des Rheins
Fahrkartenautomaten funktionieren, wie man in einer halben Stunde mit dem Essen fertig
sein kann oder womit man sich dort den Sonntag vertreibt, wenn man nicht ins Elsass
fährt.... Ich bin schon so etwas wie ein Alien geworden, dem es egal ist, wo er sich
befindet. Hauptsache, man fühlt sich wohl und die Menschen sind herzlich und offen.
Und deshalb gibt es in meinen
Büchern keine Grenzen - schon gar nicht im Kopf. Es ist egal, ob sich die Hauptfigur
Karen ausgerechnet in einem kitschigen Elsässer Weindorf in einen Deutschen verlieben
will oder Abenteuer in Paris sucht. Es ist sogar egal geworden, wo die Arbeitgeber sitzen
- Karen und Tom sind "Teleworker". Ihre Sorgen und Nöte, ihr Glück - es
verbindet Kulturen, anstatt sie zu trennen. Und auch wenn ewig Gestrige mithilfe von
schweigenden Verdrängungskünstlern versuchen, das Miteinander gewaltsam zu zerstören -
es lebt... nicht nur im Roman! Ich gebe zu - ich stifte gerne zu diesem menschlichen
Austausch an!
Soviel kann ich deshalb schon
verraten - mein zweiter Roman, der gerade entsteht, wird Sie aus dem
deutsch-französischen Grenzgebiet hüben und drüben vom Rhein bis nach
Südwestfrankreich entführen...
nach oben |