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PETRA VAN CRONENBURG

Stechapfel und Belladonna. Rezepte einer glücklichen Trennung

Roman. BLT in der Verlagsgruppe Lübbe GmbH & Co. KG


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aus "Stechapfel und Belladonna. Rezepte einer glücklichen Trennung." Roman von Petra van Cronenburg

erschienen bei BLT, Verlagsgruppe Lübbe GmbH & Co. KG

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Petra van Cronenburg Es gibt Wein, der schmeckt vorzüglich. Es gibt Wein, der mischt sich mit dem üblem Nachgeschmack eines Gesprächs. Und es gibt Wein, den vergisst eine Frau langsamer als einen Mann.

Stechapfel und Belladonna. Rezepte einer glücklichen Trennung

...Ich sah den Wein vor mir, irgendein Name mit "sanglier" und ich war stolz, weil ich ihn zu niedrig ausgepreist erstanden hatte. An Jean kann ich mich nicht mehr erinnern. Wenn ich versuche, ihn vor mir zu sehen, brennt es mir schwarze Löcher in den Film.
Unser Gespräch begann damit, dass er mir erklärte, dass die Verkäuferinnen falsche Preisschilder auf den Wein klebten, den sie selbst kaufen wollten.
Ich liebe dich nicht mehr, sagt Jean leise. Ich wundere mich, dass ich trotz der Nacht die schwarzen Malven noch sehe, wundere mich, dass ich nach den Sternen schaue. Warum schaue ich nicht in seine Augen?!
Karen, das ist zu sehr wie bei Bruder und Schwester geworden, es prickelt nicht mehr ... Ich kann so nicht mehr weiterleben.
Halt, kann jemand diesen schlechten Film anhalten? Kenne ich das nicht irgendwoher? Ich selbst benutze diese Phrasen in meinen Scripts für Vorabendserien. Sie ermöglichen einen eingängigen und schnellen Liebestod bei knapper Sendelänge...

 

Petra van Cronenburg Urlaubsfotos sind platt. Was Karen damals in der Emiglia Romagna erlebt und gefühlt hat, kann kein Foto der Welt wiedergeben.

Stechapfel und Belladonna. Rezepte einer glücklichen Trennung

...Damals, in der Emilia im Gebirge, wanderten wir über eine Wiese zu einer Ruinenanlage, die mit ihren Trockensteinen an ein frühmittelalterliches Kloster erinnerte. Obwohl unser eigener Garten voller alter Holunder stand, hatte ich noch nie einen Baum wie diesen gesehen. Seine Wurzeln schlugen sich in ferne Zeiten, seine Beeren hatten Generationen von Vögeln genährt auf diesem kahlen Berg aus schafsgerupftem Grün.
Ich sprang über Silberdisteln, die die Wiese betupften wie verspritzte Milch. Mein Körper, sich tanzend und hüpfend dem Wind anpassend, heulte mit den Fensterlöchern in den Steinmauern, raschelte mit dem Wipfel des einzigen Baumes, sirrte mit der Luft über dem Grat. Ich roch, wie die Zeiten aus der Lehmgrube des Kellers aufstiegen, und konnte fühlen, wie die Lieder der Mönche zarte Fäden in das unendliche azurne Blau webten, das mich noch heute umgab. Würde er es verstehen, dass ich mich in einem Land der Schätze und Edelsteine befand? Mit sich bläuenden Holunderperlen, so perfekt geformt wie die hämatitglänzenden Hinterlassenschaften der Bergschafe und diamantbesetzten Quarzsteine, die verrieten, dass es bis zu den Marmorminen von Carrara nicht mehr allzu weit sein konnte.

Stechapfel und Belladonna. Rezepte einer glücklichen Trennung


Meine Füße polierten das achatene Gras, meine Finger streichelten fast Stein gewordene Rinde. Jetzt tot umfallen, und es wäre in einem der schönsten Augenblicke passiert! Jetzt sich lieben, wo die Erde ihre sonnengewärmte Lust in den Himmel wirft! Können wir wieder zum Auto zurück? Du hast diese Ruine jetzt doch schon lange genug untersucht. Er trippelte etwas abseits im Wind, hatte sich mühsam eine Zigarette angesteckt. Ich verpackte all den Reichtum in mein Lächeln und stieg ein.

Stechapfel und Belladonna. Rezepte einer glücklichen Trennung


Später machten wir noch ein paar Mal kurz Halt, weil ich die archaischen Steinstelen am Straßenrand betrachten wollte. Jean war der perfekte Chauffeur, er hielt schnell, gezielt und immer so nah, dass man kaum laufen musste. Rührend wirkten die Wiesenblumensträuße in Weinflaschen, die den winzigen Madonnen im Stein dargeboten wurden. Ich steckte meinen kleinen Tod von eben dazu und fand wieder Kraft für meine Liebe. Jean wollte weiter, ein Restaurant finden. Er hatte Recht, von Luft und Liebe kann man nicht leben.

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Petra van Cronenburg Ein alter Teddy spielt eine Rolle, als sich Karen fragt, warum Liebe so schnell verschwinden kann...

Stechapfel und Belladonna. Rezepte einer glücklichen Trennung

...Ein großer freundlicher Schwan, der aussieht wie ein Vater, erzählt mir, dass ich nun brav im Krankenhaus bleiben müsse und bald wieder zu meinen Eltern dürfe. Ich weiß nicht, wo ich bleiben möchte. Im Bett neben mir liegt ein trauriger Junge. Wir lassen unsere Teddybären zwischen uns fliegen. Wir liegen unter einer gespannten, an den Gitterstäben festgebundenen Decke, die sich anfühlt wie die Frauen. Das Bewegen in diesem schneekalten Gefängnis fällt uns schwer, aber das ist auch gut so. Denn jede Bewegung unter der gespannten Decke verursacht einen noch kälteren Wind. Wir sind traurig und auf ewig festgebunden im Eis der Tischdeckenfrauen.
Deren Welt treibt uns schmerzendes Weiß in die Augen, und obwohl er die gleiche Farbe trägt, fehlt uns dieser Mann. Warum kommt der freundliche Schwanenmann nur so selten? Er hat warme Hände, wenn er uns den Bauch abtastet, und er hat ein warmes Lächeln. Er macht weniger Angst als der Vater, weil er nicht so finster scheint. Aber am meisten lieben wir ihn, weil die Tischdeckenfrauen in seiner Gegenwart verstummen und nur noch lieb mit uns reden. Der Schwanenmann bleibt wieder aus. Aber unsere Teddybären fliegen über den Abgrund, den unsere Mütter betrachten. Jemand erzählt mir, die Gesichter hinter der Glasscheibe seien unsere Eltern.

 

Petra van Cronenburg Und dann gibt es da noch eine ganz besondere Szene...

...Ich weiß, ich müsste nur die Hand, auf die ich mich stütze, ausstrecken und könnte dieses Strahlen berühren. Unsere Finger senden sich Glühwürmchen. Aber ich weiß auch, wenn ich mich jetzt bewege, jetzt dieses Glühen in die Wirklichkeit zu holen versuche, ist es vorbei. Es würden zwischen unseren Händen keine Zauberspinnen mehr Diamanten in Netze weben. Ich lächle den Hund an. Und gönne mir das Feuer, das die Felsen unter mir schlagen. Die Sterne drehen sich am Himmel. Mein Rückgrat ist ein Regenbogen, der sich von der Haut zu den Augen spannt. Es ist meine zweite Lektion im Fliegen auf diesem seltsamen Berg.

„Ah ... hat das gut getan“, stöhnt er. Verwirrt drehe ich mich zu ihm. Er hat Sterne in den dunklen Augen und sagt lachend: „Wollen Sie noch eine Tasse vor dem Aufbruch?“

Stechapfel und Belladonna

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© für die deutschsprachige Ausgabe 2005 by Verlagsgruppe Lübbe GmbH & Co. KG, Bergisch Gladbach - All rights reserved.

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mit freundlicher Genehmigung der Verlagsgruppe Lübbe GmbH & Co. KG

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