HOME CRONENBURG.NETELSASS SINNESREISEN - REISEBÜCHER - KULINARISCHES - LINKS - REISETIPPS - JAHRESFESTE

el_cover_sm.jpg (8314 Byte)

SEHEN - HÖREN - RIECHEN - SCHMECKEN - FÜHLEN


 

schmecken3.jpg (10373 Byte)

Es war ein runder, frischer Milchweck, gebuttert und mit der für damals gewagten Mischung aus Salami und Käse belegt. Passend zur Natur quengelte ein riesiges Kopfsalatblatt unter dem Deckel hervor.

 

 

 

ELSASS SINNESREISEN

Ich war im siebten Himmel wie die Madonna inmitten der Rosen, die sich in der schattigen Kapelle auszuruhen schien.

 

 

 

ELSASS SINNESREISEN

Salami, Käse, Kopfsalat. Dazu den Pfeffer von Levkojen in der Nase, die Schärfe der Kapuzinerkresse und zum Desert die honigdicke Süße von Rosen und Königskerzen.

DAS SALAMIBRÖTCHEN

Auf Schulausflüge freute ich mich immer so sehr, dass mir drei Tage vorher vor Aufregung schlecht wurde. Dann, im Wald, beim Wandern und Rasten, schwebte ich im siebten Himmel. Nicht zuletzt wegen der besonderen Salamibrötchen, die wir unerklärlicherweise nur für Schulausflüge bekamen. Es war ein runder, frischer Milchweck, gebuttert und mit der für damals gewagten Mischung aus Salami und Käse belegt. Passend zur Natur quengelte ein riesiges Kopfsalatblatt unter dem Deckel hervor. Ich erinnere mich noch heute an die abschätzigen Blicke zu Hause, mit denen diese "Verschwendung" von Zutaten begleitet wurde. Meine Mutter, die die Brötchen schmierte, konnte meinem perversen Vergnügen nicht so recht folgen, die Nase in die fleischigen Düfte der Salami zu tauchen, über die sich wie eine milde Wolke der Käse legte - begleitet von leichtem Grasgeruch und Backstubenerinnerung.

So ging es in einem Jahr per Fahrrad ins Elsass. Erfolgreich war unsere Klasse durch eine süß duftende Lindenallee die Straße hochgekeucht und hatte den versprochenen Rastplatz entdeckt. Halb benommen von Lindenblütennektar und pinienartigem Asphaltgeruch fanden wir uns vor einer winzigen Straßenkapelle wieder. Der Blick traf uns wie ein Keulenschlag. Auf der einen Seite fiel das Land sanft ab zur Rheinebene, dahinter leuchteten die Dörfer im Schwarzwald, der tannenfarben den Horizont begrenzte. Auf der anderen Seite wellten sich die Felder, warfen sich zu heckenbestandenen Hügeln auf. Beschattet wurden sie von der blauen Kette der Vogesen.

Ich packte mein berühmtes Salami-Käse-Brötchen aus, der Duft von frischgebackenem Milchteig hing noch ein Weilchen in der Alufolie und verwehte in der warmen Sommerluft. Der Brustkorb hatte sich vom Pumpen etwas beruhigt, die Nase war überwältigt davon, auf einem Grat all die Blumen rechts und links der Straße zu riechen. Ich war im siebten Himmel wie die Madonna inmitten der Rosen, die sich in der schattigen Kapelle auszuruhen schien. Der Berganstieg war geschafft, süßer Tee mit einem Hauch Zitrone weckte die Geister. Nie hat ein Salamibrötchen so geschmeckt. Die Welt lag zu meinen Füßen - zwei Länder, zwei Gebirge, ein grenzenloser Paradiesgarten voller Obstbäume.

"Hier leben zu dürfen - was für ein Geschenk!" bestaunte ich das unerhörte Privileg der Menschen in diesem Paradiesgarten. Zwanzig Jahre später, als es mich in ein mir bis dahin unbekanntes elsässisches Dorf verschlagen hatte, staunte ich nicht schlecht. Mein Blick aus dem Garten zum Horizont traf auf winzige runde Lindenkugeln im Dunst. Dazwischen konnte ich auf der Straße am Grat eine kleine Kapelle ausmachen.

Vor ein paar Jahren liebäugelte ich einmal damit, vielleicht nach Paris zu ziehen. Das machte mich rastlos und ich fand mich im Dorfladen wieder, Salami und Emmentaler kaufend. Die Entscheidung war einfach. Ich setzte mich mit einem elsässischen Sous-Brot in den Garten. Salami, Käse, Kopfsalat. Dazu den Pfeffer von Levkojen in der Nase, die Schärfe der Kapuzinerkresse und zum Desert die honigdicke Süße von Rosen und Königskerzen. Ich saß im Paradies. Ich hatte es nur kurz vergessen.

© by Petra van Cronenburg, all rights reserved

  Das Elsass mit allen Sinnen erleben, die kleinen Besonderheiten erfahren jenseits der Touristenpfade, elsässische Genüsse nachkochen - das gibt es hier:

Petra van Cronenburg: Elsass. Wo der Zander am liebsten im Riesling schwimmt. Sanssouci im Carl Hanser Verlag.

 


© 2003 by Petra van Cronenburg, all rights reserved, Mitglied in / Member of  VG Wort und VG Bild & Kunst - Disclaimer - Kontakt

GÄSTEBUCH / GUESTBOOK

Webdesign, graphics and photos © 2003 by Petra van Cronenburg, all rights reserved