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Leseprobe aus

Petra van Cronenburg: Das Buch der Rose, Parthas Verlag, Berlin 2008

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Ausschnitt aus Kap. 5: SCHWELGEN UND GIEREN, S. 142-144

Von einem, der sich ein solches Leben leisten kann, sagt man, er sei "auf Rosen gebettet" - und diese Metapher für ein Leben in Sorglosigkeit, Reichtum und Genuss darf man sich im Ursprung wortwörtlich vorstellen. Wohl dem, der sich Luxus zum Eigengenuss leisten konnte. Wie aber mussten die Götter erst einem Menschen wohlgesonnen sein, der obendrein Luxus an andere verschwenden konnte! Die vergängliche Pracht abgeschnittener Rosen eignete sich für die Demonstration solcher Größe ganz besonders. Rosen wusste zwar bald jeder Landbesitzer zu pflanzen und auch zu vermehren. Aber die Edelblume als Schnittblume zu kaufen, die noch im Sterben mit Schönheit, Farbe und Duft bestach, war nur den Vermögenden vergönnt. Überseeplantagen für aufwändige Importe auszubeuten und im Winter Treibhäuser mit der sonnenhungrigen Blume zu bestücken, das konnten sich nur die Reichsten der Reichen leisten.

Nein, hier ist nicht die Rede vom Weltmarkt der Rosenplantagen, die europäische und amerikanische Firmen heute in Lateinamerika und Afrika aufkaufen, um Riesenumsätze zu machen. Und es ist auch nicht die eine Milliarde Euro gemeint, die die Deutschen im Krisenjahr 2004 allein für Schnittrosen ausgegeben haben. Die Rose als protziges Statussymbol, den Jammer darüber, dass die Armen hungern müssen, weil wertvolles Ackerland den Monokulturen von Blumen weichen muss, nur damit die High Society in Duft schwelgen kann, das gab es bereits zur Römerzeit.

Der Dichter Horaz (65 v. Chr. bis 8 n. Chr.), Zeitgenosse des Rosenliebhabers und Kaisers Augustus, wetterte in seinen Oden gegen die äckerverzehrende Prunksucht, zu deren "Nasenreiz" er auch die Rosen zählte:

"Bald lässt dem Pflug unmäßiger Königsbau
Kaum wenig Morgen; [...]
Auch der Violen Flor
Und Myrtenhain' und jeglicher Nasenreiz
Verbreitet Wohlgeruch, wo vormals
Lohnte mit Frucht die Olivenpflanzung."

In der Tat schien ganz Italien damals ein einziger Rosengarten gewesen zu sein, aber bereits vor der Kaiserzeit konnte Rom die Nachfrage an Rosen aus dem eigenen Land nicht mehr befriedigen. Ägypten lieferte von seinen Plantagen unzählige Schiffsladungen der beliebten Blume. Die Verschwendung war zu rechtfertigen, denn die Rose war Göttinnen wie Göttern heilig und wurde vom Volk in den rosaria oder rosalia verehrt, einem beweglichen Fest zu Beginn der Blütezeit. An jenem Tag genossen auch einfache Bürger beduftete Brunnen und Blumenschmuck in der Stadt.

Für den Rest des Jahres glich die Metropole des Weltreichs Rom jedoch eher einem modernen Dritte-Welt-Moloch. Der Unterschied zwischen den Armen und der winzigen Kaste der Reichen war extrem; das Bedürfnis, sich durch Luxus gesellschaftlich zu definieren, immens. Während die einfachen Leute hungerten, kostete in der Kaiserzeit der Import der sonnenverwöhnten Pflanzen schon so viel, dass Martial im Jahre 103 n. Chr. zynisch schrieb, die Ägypter sollten Korn schicken, Rom habe genug Rosen aus Ägypten, um sie damit zu bezahlen.

Mit Rosenblüten wurde nicht nur dekoriert, sondern auch goutiert. Kaiser Augustus' berühmter Leibkoch Apicius bereitete mit eingekochtem süßen Wein ein Püree aus zerriebenen Rosenblütenblättern oder parfümierte in drei mal sieben Tagen Wein mit dem Modearoma. Sein Rosenomelett war ein winziger, aber raffinierter Gaumenkitzler für zwischendurch, bevor Flamingos gereicht wurden oder Edelfische, von denen einer fast so viel kostete, wie ein Centurio im Jahr verdiente. Rosenpüree mit etwas Lake, geschlagenen Eiern und Wein ließ Apicius dafür mit kleinen Hirnen stocken, die kurz vor dem Servieren reichlich mit dem Luxusartikel Pfeffer bestreut wurden. Nein, man pfefferte nicht etwa unmäßig, weil es besonders gut zur süßen Rose schmeckte, sondern nur, weil Pfeffer teuer war und mehr hermachte als heimische Kräuter.

Die Verschwendungssucht nahm solche Ausmaße an, dass unter den römischen Kaisern zusätzlich die syrische Provinz als Außenplantage für eine Überflusselite herhalten musste, der die einmalblühende Rose im Sommer längst nicht mehr genügte. Unter Augustus sorgten Treibhäuser aus Marienglas, wie Badethermen beheizt, selbst im Winter für duftendes Vergnügen. Horaz richtete ein ernstes Wort an seinen Diener, diesen Wahn nicht mitzumachen:

"Perseraufwand ist mir verhasst, oh Knabe,
nicht gefällt umwunden mit Bast ein Kranz mir;
Spare die Nachforschung, ob wo verspätet
Weilet ein Röslein."

Er musste zum Glück nicht mehr erleben, was über 50 Jahre nach seinem Tod der "Partykaiser" Roms trieb...