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Wenige kennen meine Geheimnisse - aber die Rose kennt sie. Ich denke an nichts anderes als an die Rose; ich ersehne nichts anderes als die tiefrote Rose... könnte die Nachtigall auch nur eine Nacht ohne die Geliebte leben?

Fariduddin Attar: Parlament der Vögel

 

DIE SPRACHE DER BLUMEN

Language of roses

Auch diesen Text habe ich vor vielen Jahren geschrieben. Ich habe inzwischen ein Original des Bestsellers aus dem frühen 19. Jhdt. aufgestöbert: "Le Language de fleurs" von Charlotte de la Tour. Der Vergleich mit anderen Büchern dieser Art wirft ein neues Licht auf ein besonderes Genre. Und so darf ich jetzt schon verraten, dass in meinem Buch Lady Montagu von einer ungewöhnlichen Seite erscheinen wird und so mancher Mythos um die Sprache der Rosen fällt! Lesen Sie in "Das Buch der Rose" wie gesellschaftskritisch und spitzzüngig Lady Montagu wirklich schrieb - und wie unter ihrem Namen im 19. Jhdt. Schindluder getrieben wurde, um Frauen unmündig zum "angel in the house" (Engel im Haus) zu erziehen - alles im Namen der Rose...

Und hier der alte Text:

Als Lady Mary Wortley Montagu mit ihrem Mann im 18. Jhdt. in Konstantinopel weilte, machte sie Bekanntschaft mit einem alten orientalischen Brauch, dessen Ursprünge im Dunkeln liegen. Blumen und vor allem Rosen in ihrer Farb- und Formenvielfalt wurden als Symbole für eine erotische Geheimsprache benutzt, mit der Liebende sich ohne Worte verständigen konnten. Nach ihrer Rückkehr veröffentlichte die Lady ihre Kenntnisse in Frankreich unter dem Titel "Le Language de Fleurs" - das Buch wurde berühmt und durfte noch unzensiert prickelnde Erotik und sexuelle Anzüglichkeiten benennen.

Ausgerechnet in der viktorianischen Zeit erlebte die "Sprache der Blumen" ein ungeahntes Comeback, die Engländer übernahmen das Werk Lady Wortley Montagues, säuberten es jedoch grundlegend nach den prüden Moralvorstellungen der Zeit. Was auch nur einen Hauch von Erotik oder weiblicher Verführungskunst zeigte, wurde zensiert und umgeschrieben. Leider beruhen die meisten modernen Bücher über Blumensprache auf diesen angelsächsischen Vorlagen und kommen dem Original kaum noch nahe. Vielfach sind solche Bücher recht verwässert gesammelt aus spätviktorianischen Vorlagen und modernen Floristenideen.

So kann auch ich nur eine Annäherung an die alte Geheimsprache geben. Ich habe sie von einer alten Dame gelernt, als ich noch Kind war. Sie beherrschte auch die geheimen Zeichen der früher beliebten Biedermeiersträuße.

rose

Wichtig ist schon, wie man die Rosen überreicht, wie man sie hält. Dreht man sie mit den Blüten nach unten, kehrt man die Bedeutung ins Gegenteil, ergänzt man mit anderen Blumen, addiert man Symbole. Ein Blumenstrauß kann deshalb ein einziges Symbol in feinsten Schattierungen ausdrücken! Wichtig bei der Rose ist auch, wie man mit den Dornen umgeht. Knipst man sie ab, belässt aber die Blätter, so heisst das "Hoffnung", schneidet man auch noch die Blätter ab, will man "vollkommene Resignation" ausdrücken. Will man dem Gegenüber ein "Ja" wortlos zuflüstern, berührt man die Blüten mit den Lippen. Ein "Nein" bedeutet es, wenn man ein Blütenblatt abzupft und wegwirft.

Und Vorsicht, wenn man Rosen als Geschenk mitbringt! Was in den USA als normal angesehen wird, kann in Europa ein übler Faux-Pas sein und in einem anderen Land vielleicht etwas völlig anderes bedeuten. Hier sollte man sich über die regionalen Besonderheiten informieren. In Europa z.B. gehört es sich nicht, dass ein Mann der Ehefrau des Gastgebers oder seines Chefs rote Rosen schenkt. Und eine Frau sollte nicht unbedingt rosarote Rosen wählen, um ihrem männlichen Kollegen ein Geschenk zu machen. Dafür gehört es jedoch in Polen zum guten Ton, dass der Mann einer Frau eine rote Rose überreicht, wenn er sich mit ihr verabredet, auch wenn beide nur Freundschaft empfinden. Ist die Frau seine Chefin oder die Gattin des Chefs, wählt er allerdings ein unverfängliches Bukett.

Petra van Cronenburg: Das Buch der Rose

Monet (Züchter: Delbard)

Auf Europa bezogen:

Moosrosen darf man jedem in jeder Farbe schenken. Sie sind ein Zeichen von Dankbarkeit, das - kombiniert mit anderen Blumen - abgewandelt werden kann. Tiefrote Rosen in Buketts oder eine einzelne langstielige rote Rose sind Zeichen der Liebe. In einigen traditionellen Kulturen sind sie einzig dem Mann vorbehalten, der sie der Frau schenkt, es gibt aber immer mehr Frauen, die sich zutrauen, ihrem Liebsten ebenfalls rote Rosen zu schenken. Und natürlich ist das Liebeszeichen schon in der Antike nicht auf heterosexuelle Beziehungen beschränkt gewesen.

Gelbe Rosen können in der Bedeutung problematisch sein. Als Moosrosen signalisieren sie Freude und Glück, kombiniert mit anderen fröhlichen Farben bringen sie Licht und sind ein schönes Gastgeschenk. Auf der anderen Seite wird Gelb in vielen Ländern mit "Eifersucht" identifiziert! Eindeutig ist es, wenn man einem geliebten Menschen statt roter Rosen plötzlich gelbe schenkt oder gelbe Rosen ins rote Bukett bindet. Das heißt dann: "Ich bin eifersüchtig / du machst mich eifersüchtig".

Weisse Rosen repräsentieren Reinheit und Unschuld, aber auch Liebe ohne erotische Beziehung. In vielen Ländern werden leicht rosa angehauchte, weisse Rosen für Brautsträusse verwendet. Reinweisse Rosen finden Verwendung bei Beerdigungen. In gemischten und farbigen Buketts dienen sie dagegen nur der Harmonisierung und Erhöhung der Farben.

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Und hier noch einige Sonderbedeutungen in der "Sprache der Blumen":

Weisse Rosenknospe = dein Herz weiss von der Liebe nichts

Weisse Rose = Reinheit, Unschuld, Fehlen von erotischen oder sexuellen Hintergedanken (besonders Moosrose)

Gelbe Rose, langstielig, einzeln = Eifersucht, Fehlen von Vertrauen

Gelbe Rose in Buketts = Freude, Glück, Dankbarkeit für Gastgeber

Hellrosa Rose = Anmut, Freundlichkeit, Bewunderung, Freundschaft

Lavendelfarbene Rose = Extravaganz, Individualität, Liebe auf den ersten Blick

Korallenrote Rose = Begierde

Orangefarbene Rose = Enthusiasmus, Faszination, "Ich stehe wegen dir in Flammen"

Rote Rosen = Ich liebe dich, du bist schön

Rote Rosen, grosses Bukett = Liebe und Bewunderung

Tiefrote Rosen = Tiefe Scham, sogar Schande (USA!), tiefe Bewunderung (Europa!)

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Petra van Cronenburg: Das Buch der Rose

Monet ( Züchter Delbard)

english version:


THE LANGUAGE OF ROSES
There was a famous book in France called "Le Language de Fleurs" based on the knowledge of Lady Mary Wortley Montague, who came to know the secret language of flowers in the beginning of 18th century in Constantinople. In Victorian times the language of flowers became a trend, but many of the Oriental meanings offered in the French book were too risky and erotic. So most of the knowledge we have today is heavily censored or washed out by modern florists' traditions.
There is already meaning in how you are holding a flower or presenting it. Offering a reversed rose turns its meaning into the opposite, combining it with other flowers adds more shades of what you want to say. A rose with leaves but divested of its thorns means "hope", while a rose with no thorns and no leaves is a sign for total resignation. Do you want to say "yes"? Just touch the rose with your lips. Do you want to say "no"? Pinch off a petal and throw it away.
In Europe you still have to pay attention giving roses as a present. It is a great faux pas to offer deep red roses to your host's or boss's wife, if you are a man. Being a woman you can discover complications, if you are offering pink roses to your male collegue. The main rules for offering roses are lightly different from country to country, but mostly they are the following:
You can offer moss roses to everyone in every colour. They are a sign for thankfulness and combined with different flowers you can change their effects.
Deep red roses in buketts and singular long-stemmed red roses are signs of love. In traditional societies they are reserved as present of love from men to women only, but there are more and more women who dare to offer them to men.
Yellow roses can be difficult in their shades of meaning. As moss roses they represent joy and happiness, combined with other happy colours they bring light and are a nice present for hosts. On the other hand yellow is associated with jealousy in many countries! Changing the red roses for your loved one into yellow roses means: "I am jealous" or "You make me jealous".
White roses represent purity and innocence as well as love beyond any erotic feeling. In many countries white roses with a shady touch of pink are used for bride's buketts, but also white roses are given at funerals to the loved dead. In mixed and colourful buketts they are just used to high up the other colours and to give more harmony.


Find different meanings of roses here:


White rosebud: Heart ignorant of love
White rose: Purity, innocence, lack of eroticism (especially moss roses)
Yellow rose, especially singular and long-stemmed: jealousy, lack of trust
Yellow rose, given to anyone, in buketts: gladness, happiness, thankfulness for hosts
Light pink rose: grace, gentility, admiration, friendship
Light pink rosebuds with a shade of red: Hope for more than friendship
Lavender rose: Extravagance, individuality, love at first sight
Coral rose: Desire
Orange rose: Enthusiasm, fascination, "I am in flames for you"
Red roses: "I love you", "you are beautiful", big bukett: love and admiration
Deep red roses: Bashful shame (USA), deep admiration (Europe)

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