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SEHEN - HÖREN - RIECHEN - SCHMECKEN - FÜHLEN


DIE NASE ENDET IM HALS

Es gibt eine Region in Europa, da haben die Menschen einen ganz speziellen Geruchssinn. Eine Art achten Sinn. Das Elsass gehört dazu - also kann auch hier die Nase schmecken. Wo der Normalmensch sagen würde, "es riecht", sagt der Elsässer: "'s schmeckt". Vollkommen logisch, denn der Geruchsinn gibt sich in diesen Breiten mit der Nase alleine nicht zufrieden.

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Riechverhalten eines Feinschmeckers

Geruch wird eingeatmet und geschnüffelt, die Dämpfe eines aromatischen Coq au Vin jedoch lässt man auch vor dem Kosten gerne schon in den leicht geöffneten Mund ein. So treffen sich die Gerüche von oben und unten im Rachenraum. Riechen - das ist der Anfang, die Kopfnote, der erste Eindruck. Hat sich der Geruch erst einmal ins Innere gesenkt, lässt sich die Wahrnehmung vom Schmecken nicht mehr unterscheiden.

Schön, wenn man die bittere Süße einer mit Beifuß gewürzten Gans gleich zweimal schmecken kann: durch die Nase und durch den Mund! Wie arm sind die Menschen dran, die schnüffelnd und schlau über die Holznote eines Pinot Noir reden können, aber nicht ahnen, wie das Holz den Rachen mit Vanilleduft balsamieren kann, bevor man den Wein überhaupt geschluckt hat!

Einen Nachteil hat das doppelte Schmecken allerdings schon. Wenn einem etwas stinkt, hat man nicht nur schwer daran zu kauen, sondern bekommt auch noch einen Hals! Manchmal hilft dann Runterschlucken, nicht zu lange dran kauen...

Ach ja, und wie das Ganze bei einer Weinprobe funktioniert - das erfahren Sie hier:

Petra van Cronenburg: Elsass. Wo der Zander am liebsten im Riesling schwimmt. Sanssouci im Carl Hanser Verlag.

 


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