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PETRA VAN CRONENBURG

Stechapfel und Belladonna. Rezepte einer glücklichen Trennung

Roman. BLT in der Verlagsgruppe Lübbe GmbH & Co. KG


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Die Autorin
 

PETRA VAN CRONENBURG wurde nach dem Studium der Theologie und Judaistik Redakteurin und freie Journalistin. Von 1993 bis 1997 lebte die Autorin in Warschau (Polen), wo sie durch eine eigene Medienagentur Beiträge über Frauen und Kultur in deutscher und polnischer Sprache veröffentlichte.

Heute lebt die Journalistin, Buchautorin und Publizistin im Elsass, wo der Zander am liebsten im Riesling schwimmt, so der Titel ihres 2004 erschienenen Buches über ihre Wahlheimat Frankreich.

© Verlagsgruppe Lübbe GmbH & Co. KG

mehr über die Autorin und ihre Bücher hier

Foto der Autorin: Bei www.luebbe.de in der Suchmaschine "Cronenburg" eingeben und auf "Autorenportrait" gehen.

Stechapfel und Belladonna

BEGABUNG KANN TEUER WERDEN

oder wie sich die Lust an den Skurrilitäten des Alltags entwickelt

 

FRANK ELSNER UND DER KARDINAL

Ich besuchte ein altehrwürdiges Gymnasium. Besonders gefielen mir darin die wertvollen Inkunabeln und Pergamente, aus seinen Anfangszeiten, als die Klosterbibliothek in einen Adelsschatz umgewandelt worden war. Weniger gefiel mir der verordnete Aufmarsch vor der Marmortafel, die sich zwischen den beiden Freitreppen befand.

Hier hielt unser "Direx" seine Ansprachen, hier wurden wir zum neuen Schuljahr begrüßt. Mit Blick auf eine Marmortafel, in die mit vergoldeter Schrift die ehemaligen Schüler eingemeißelt waren, die es im Leben zu Ruhm und Ehre gebracht hatten. Sie wurden immer verlesen... als Mahnung und Vorbild für die Rabauken unserer Zeit. Einen altehrwürdigen Kardinal habe ich mir gemerkt, von dem ich bis heute nicht weiß, was er geschafft hat, außer Kardinal zu werden. Und dann ergänzte unser Direx immer noch Frank Elsner, der damals schon bekannt war. Frank Elsner war nicht in Blattgold eingemeisselt, er lebte. Lebende hatten kein Recht auf postmortale Verehrung.

SCHREIBEN IST MACHT

In dieser altehrwürdigen Schule, die jede Menge Geist und Staub von Ahnen atmete, wurde ich zum ersten Mal als Autorin aktiv. Ein Schülerzeitungsprojekt hatte mich gepackt und wenn ich damals aufmerksamer gewesen wäre, hätte ich meinen zukünftigen Beruf gleich erkannt. Journalistisches Arbeiten reichte mir schon damals nicht - ich wollte meine ganze Ideenfülle ausleben.

Ich schrieb die Satire wirklich mit Verve und Begeisterung. Eine Satire über meinen Lateinlehrer. Alles in Ordnung, denn ich hatte ihm ein Pseudonym verpasst und mich an die Spielregeln dieser literarischen Form gehalten. Dachte ich. Und wurde zur Unzeit krank. Das Unglück nahm seinen Lauf, als die Redakteure das Pseudonym in den echten Anfangsbuchstaben wandelten, ohne dass ich einschreiten konnte. Jeder, der das Alphabet beherrschte, wusste nun, wer gemeint war. Die, die ihn kannten, hätten ihn ohnehin erkannt. Aber nun lag der schwarze Peter angeblich bei mir.

Ich muss etwa siebzehn gwesen sein und ziemlich naiv. Ich hatte nicht bedacht, dass ich etwas getan hatte, das angepasste Journalisten heutzutage gerne mal vermeiden. Der Mann war nämlich gerade zu einer Wahl aufgestellt als Kandidat seiner Partei. Na und? Was hat das mit einer Schülersatire zu tun?

Irgendwie muss er das Gefühl gehabt haben, diese Satire könnte ihn Wählerstimmen kosten. Ich war erschüttert über meine angebliche Macht. Er ließ via Direktion meine Satire verbieten. Wir ließen uns das Maul nicht verbieten. Jetzt erst recht - für Politikgemauschel gaben wir uns nicht her.

ZENSUR FÜR DIE JUNGAUTORIN

Am nächsten Tag verkauften wir die Schülerzeitung außerhalb des Schulgeländes. Mit Satire, den Namen geschwärzt.... und mit einem riesigen Aufkleber: Zensiert! Damals habe ich viel über Marketing gelernt. Wir mussten nachdrucken, erreichten eine schwindelerregende Auflage. Vor allem aber wurde die Satire jetzt überall gelesen - nicht nur in der Schule.

Das Verhängnis nahm seinen Lauf. Die Schülerin, die so gerne schrieb und einen Hang zum Zynismus und feinen ironischen Witz hatte, wurde zur Unperson. Mein Protagonist hatte bereits den Antrag gestellt, mich von der Schule zu werfen. Meinen Eltern flatterte ein Brief von seinem Rechtsanwalt ins Haus, der mir den Prozess androhte. Zuerst Zensur meiner Begabung und jetzt das - so kurz vor dem Abitur. Konnte eine einzige Satire so viel Zündstoff beinhalten? Wieso will einer gegen eine Schülerin prozessieren? Hatte ich in ein Wespennest gestochen?

Es war eine chaotische Zeit, in der auch ich einen Rechtsanwalt brauchte... Plötzlich kamen Lehrer auf mich zu und trafen sich mit mir heimlich im Café, um mir Mut zu machen und mich zu beglückwünschen. Mein erster öffentlicher Erfolg durch einen Text... wenngleich ein zweifelhafter. Ich hatte Angst. Denn die Frau des Lehrers unterrichtete mich auch. Sie konnte mich noch nie leiden und triezte mich, wo sie nur konnte.

Wie überrascht war ich, als sie liebevoll lächelnd auf mich zukam und sagte: "Danke. Das war großartig. Endlich hat es ihm mal einer gesagt." Offiziell hatte dieses Gespräch natürlich nie stattgefunden. Ich fühlte mich besser. Die Situation entspannte sich, als ein Lehrer vom Konkurrenzgymnasium Asyl anbot: "Falls Du fliegst - wir nehmen dich mit Kusshand!" Klar, dort rieb man sich immer die Hände, wenn bei uns etwas nicht ganz koscher war.

MEIN TEUERSTER TEXT

Zensur hatte ich, Erfolg bei den Lesern hatte ich... und dann kam plötzlich etwas, von dem ich allen Kollegen abrate: ein Druckkostenzuschuss, auch noch anwaltlich verhängt. Um den Prozess und Rausschmiss zu vermeiden, wurde ich zum Abdrucken einer vorformulierten Entschuldigung und Zahlen von 300 Mark Strafe verdonnert. Na wenn das kein Druckkostenzuschuss ist!!! Leider hat mein Anwalt das nicht begriffen. 300 Mark... als Schülerin in den Achtzigern... für zwei Seiten Text! Na ja... meine Eltern kratzten das Geld zusammen - ich war froh, Ruhe zu haben und fürs Abitur lernen zu können. Die behielten mich natürlich. Ohne mich hätte der Griechisch-Kurs des Direktors wegen Unterbesetzung zumachen können...

Die unzensierte Satire habe ich noch. Sie ist verdammt bissig. Ein guter Lehrer hätte darin meine Begabungen entdecken können. Ein Lehrer mit innerer Größe hätte sie fördern können.

So habe ich es alleine geschafft. Man muss nur hartnäckig seinen Weg verfolgen und Geduld haben. Ich habe in meinem Roman mit ironischem Witz arbeiten können und schreibe gerade an einem satirischen Sachbuch. Besagter Lehrer ist sein Leben lang Lehrer geblieben, ist Parteimitglied geblieben, ist nicht aus seiner kleinen Welt herausgekommen. Er hat versucht, mich kurz vor dem Abitur von der Schule ausschließen zu lassen - aber er selbst hat sie wohl erst nach der Pensionierung verlassen dürfen...

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Weitere Seiten der Autorin: www.cronenburg.net und www.sinnesreisen.com 

© für Webdesign und Inhalte by Petra van Cronenburg, © für Buch-Cover und gekennzeichnete Buch- / Katalogtexte by Verlagsgruppe Lübbe GmbH & Co. KG

mit freundlicher Genehmigung der Verlagsgruppe Lübbe GmbH & Co. KG

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