| SACHTEXTE Wissenschaftliche Methodik,
Quellenrecherche und intensive Arbeit mit Zeitzeugen führten während meines Studiums zum ersten längeren Sachtext ("Die Rolle
der evangelischen Landeskirche Baden im Dritten Reich"). Als Journalistin blieb ich
trotz unterschiedlicher Themen dieser Arbeitsweise verpflichtet: seriöse Recherche,
Quellen und subjektiv Erzähltes zu einem aussagekräftigen Bild zu verknüpfen.
Auch formal
vergrößerte sich die Vielfalt - ob Feature, Interview, Wissenschaftsbericht oder
Nachrichtentext - die Form beeinflusst, wie ich Informationen transportieren kann, wen ich
anspreche. Wichtig ist, dass Sachtexte jenseits der Genres informieren, vermitteln,
interessieren, bereichern.
Als ich mich als
Journalistin auf die Vermittlung hochkomplexer Sachverhalte und Human Interest
spezialisierte, wurde der Wunsch nach der Grenzüberschreitung zur Belletristik wach.
Mein Ideal liegt
deshalb im feuilletonistischen, erzählenden, literarischen Sachbuch. Ich möchte Leser
mit gründlich recherchierten Fakten auf angemessenem Sprachniveau packen und begeistern,
möchte die Geschichten und die Geschichte erzählen, die sich hinter den nackten
Informationen verbergen.
Wenn sich ein Sachbuch
so spannend oder vergnüglich liest wie ein Roman, wenn die Welt des Wissens mit den
Sinnen erfahrbar und auch für die verfügbar wird, denen Spezialinformationen sonst
verschlossen bleiben, bin ich meinem Weg ein Stück näher gekommen.
Meine Spezialgebiete:
Geschichte /
Kultur(geschichte) / Kunst / Literatur (und verwandte Gebiete)
Meine Liebe zu
bibliophiler Gestaltung und Klassikern führte zur Beschäftigung mit dem Segment Geschenkbuch.
Einen kleinen Einblick
bekommen Sie hier:
KURZLESEPROBEN
© by PETRA VAN CRONENBURG, all rights reserved
Beachten
Sie bitte, dass alle Texte geschützt sind und nur mit ausdrücklicher Erlaubnis des
Rechteinhabers verwendet werden dürfen.
FRANCIS POULENC
aus dem Beiheft der DVD "Stabat Mater", produziert von BBC Opus
Arte, Copyright für dt. Text und Redaktion Übersetzungen: Petra van Cronenburg
Francis
Poulenc (07. Jan. 1899 - 30. Jan. 1963) hielt sich selbst zeitlebens für eine Janusfigur.
Der Kritiker Claude Rostand brachte die Doppelnatur von Poulencs Seele mit zwei Worten auf
den Punkt: Mönch und Lausbub. Tatsächlich verkörperte der Komponist wie kaum ein
anderer sein Leben in der Musik. Am Anfang war es der exzentrische Libertinist mit einem
ausgesprochenen Hang zur Unabhängigkeit, der Zirkus, Musikhallen, Jazz und populäre
Melodien liebte. Er schloss sich der Künstlergruppe "Les Six" an und
verweigerte sich wie seine Freunde deutschem Romantizismus und französischem
Impressionismus. [...]
Im relativ
kurzen Moment seiner Begegnung mit der Schwarzen Madonna hat Francis Poulenc erkannt, dass
sich Religion und Lebensfreude, Spiritualität und Spaß, nicht ausschließen müssen. Die
gütig lächelnde Königin auf dem Thron hat dem verzweifelten und entwurzelten
Komponisten ein neues Leben nach dem Erlebnis des Todes geschenkt. Es ist das Leben eines
Menschen, der weiterhin Grenzen sprengt, indem er Weltliches und Religiöses zu einer
neuen Tiefe fusioniert. So kann es Poulenc selbst in seinem späten "Gloria"
nicht lassen, aus der Musik des Kabaretts zu zitieren. Er selbst beschreibt den neuen
Umgang mit dem Katholizismus in seinen Kompositionen so: "Ich dachte an jene Fresken
von Gozzoli, auf denen die Engel ihre Zungen herausstrecken, und auch jene
Benediktinermönche, die ich eines Tages Fußball spielen sah." [...]
*
Francis
Poulenc (7 janvier 1899 - 30 janvier 1963) se considérait lui-même sa vie durant comme
semblable à Janus, la divinité aux deux visages. Le critique Claude Rostand décrivait
ainsi la nature double du musicien, en expliquant que deux âmes habitent Poulenc, celle
d'un "mine" et celle d'un "voyou". En effet, le compositeur avait
réussi comme aucun autre à matérialiser sa propre vie dans sa musique. Au début, il
était le libertin excentrique ostensiblement indépendant, et aimait le cirque, les
music-halls, le jazz et les mélodies populaires. Il rejoint le Groupe des Six et rejette,
tout comme ses amis artistes, le romantisme allemand et l'impressionisme français. [...]
*
Francis
Poulenc (7 January 1899 - 30 January 1963) always regarded himself as a Janus-faced
figure. The critic Claude Rostand summed up his dual nature accurately by describing him
as "part monk, part rascal". In fact Poulenc embodied his life in his music like
hardly any other composer. Initially he was the eccentric libertine with a decided leaning
towards independence, who loved the circus, the music hall, jazz and popular tunes. He
joined the group of "Les Six" and, like his friends, rejected German romanticism
and French impressionism. [...]
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SCHWARZE MADONNEN
aus dem Buch: Schwarze Madonnen. Mysterium einer Kultfigur, Hugendubel
Verlag
[...] Echte
Schwarze Madonnen sind ein Phänomen der Romanik und der frühen Gotik. Hergestellt ab
etwa 1050 bis ins 13. Jahrhundert, liegt ihre Blütezeit genau um die Jahrtausendwende im
10. und 11. Jahrhundert, die bekanntesten, heute noch erhaltenen Statuen stammen aus dem
12. Jahrhundert. Gleichzeitig sind sie ein europäisches Phänomen, das zuerst jedoch auf
Frankreich beschränkt bleibt, wo die berühmtesten Schnitzer in der Auvergne, der
Bourgogne und dem Languedoc arbeiten, den von der Orthodoxie der römisch-katholischen
Kirche am wenigsten berührten Provinzen. Die romanischen Madonnen auf dem Thron
verbreiten sich schnell nach Spanien, und dies ist kein Zufall: Sie befanden sich nämlich
ausnahmslos auf einem der sogenannten "Sternenwege" nach Compostela und dienten
den Pilgern nicht nur als Orientierungspunkte. [...]
Aber die
meisten Pilger waren auf dem Weg in die Krypta mit ihrer oft hochgerühmten Schwarzen
Madonna. Das Allerheiligste lag hier im Dunkel der Nacht: Notre Dame de la
Nuit. Die Pilger auf dem Weg in die Krypta entfernten sich vom göttlichen Licht. Warum?
Schwarz und Dunkel waren gefürchtet, waren die Farben der Teufel, die die Sünder auf
Fresken und Skulpturen wie wilde Monster verschlangen! Eine Menge Mut brauchte es, dem
Schwarz zu begegnen. Der Eintritt in die Krypta war kein leichter. Diesen Schritt tat
man nicht eben einmal zur Besichtigung. Um den Ort der totalen Dunkelheit zu betreten,
brauchte es Courage, den Sieg über die eigenen Ängste, Nachtmahre und Schattendämonen,
die im Mittelalter so lebendig waren wie auf einem Gemälde von Hieronymus Bosch. Der
Schritt über die Schwelle war ein Schritt ins Niemandsland, bedurfte der Gewöhnung,
während das Herz noch vor Angst raste. Langsam kamen die Schatten näher, drang das
Dunkel auf den Pilger ein.
Und wie das
so ist mit der Angst, der man sich bewußt und mutig stellt, gab es einen Punkt, an dem
sie sich auflöste und die befreiende Erkenntnis sich Luft machte: das Dunkel ist gar
nicht schwarz. Der Pilger, der seine wahrhaft höllische Angst besiegte, wurde auf eine
höhere Stufe gehoben: Dunkel wich Halbdunkel, die Unterwelt der Krypta der
Zwischenwelt, in der alles möglich war, in der sich Schatten und Licht durchwoben wie ein
dichter grauer Schleier. Langsam konnte der Pilger die Augen öffnen, die sich an die
Räumlichkeiten der Krypta gewöhnt hatten. Die Schatten lösten sich auf, die schwarzen
allesverschlingenden Löcher wichen wohlproportionierten Wänden, die skelettartigen
fahlen Gegenstände wuchsen sich zu akanthusbewachsenen Pfeilern aus. Wagte es der Pilger,
nun seine Augen ganz zu öffnen, war er umfangen von der wohlproportionierten Pracht eines
Raumes, dessen Ebenmaß und Kreuzbogengewölbe ihm die Geborgenheit eines uralten
Erdbauches vermittelten, den Schutz einer dunklen Grotte oder Höhle, die all
ihre Schrecken verliert, weil sie den Pilger wie eine Mutter umfängt. [...]
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ERDÖLRAUSCH
Artikel Tageszeitung (erstmals veröffentlicht am 31.07.04)
[...]
Mitten im Wald steht ein zierlicher Bohrturm. Holzgestänge, ein paar Sprossen eine
Weltsensation. Das war im Jahr 1813, als der Clan der Ölbarone den ersten Bohrturm der
Welt errichten ließ. Im Land des vermeintlich ersten Ölrauschs, Amerika, fand man erst
zwei Jahre später mit Hilfe der Seneca-Indianer überhaupt Erdöl. Das Stein- oder
Senecaöl wurde gegen Zahnschmerzen und Magenbeschwerden ebenso angewandt wie
gegen Würmer oder Taubheit. Um es zu gewinnen, tunkte man Lumpen in die Brühe und wrang
sie mühsam über Behältern aus.
Diese
Technik hatten die Elsässer schon seit dem Mittelalter hinter sich gelassen. Damals hatte
man Wildschweine beobachtet, die sich wie heute in den Öllachen wälzten, um Parasiten
und Hautprobleme zu bekämpfen. Der Humanist Jakob Wimpfeling machte mit seiner Schrift
von 1498 das schwarze Gold bekannt und pries seine Eigenschaften als Medikament,
Schmiermittel und Lampenöl. Die Anfänge waren bescheiden. [...]
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GEBRÜDER SCHLUMBERGER
Copyright by Petra van Cronenburg
[...] Das Jahr 1871 ist nicht nur
Schicksalsjahr für das nun zum deutschen Kaiserreich gehörende Elsass, sondern auch für
die Familie Schlumberger. Der deutsch-französische Krieg hat das Elsass durch blutige
Massaker geschwächt und Frankreich durch hohe Reparationskosten. Frankreich ist Republik
geworden, in Elsass und Lothringen herrscht uneingeschränkt und deutlich Kaiser Wilhelm
I. Die Hochkönigsburg in den Vogesen hat er in einer Mischung aus Kitsch, Fantasie und
Stilgemengen als Residenz restaurieren lassen. Nicht selten hält er mit großem Gepränge
in seiner Burg Hof wie die kriegerisch-martialische Variante eines bayrischen
Ludwig.
Der Gründer der Textilbetriebe Nicolas
Schlumberger & Compagnie profitiert wie viele Großindustrielle der Region vom neuen
Regime und weitet seinen Blick hoffnungsvoll in den Nahen Osten. Stoffe aus feinster
ägyptischer Makobaumwolle, hochbegehrt bei der reichen Bourgeoisie, lassen sein Geschäft
aufblühen. 1871 kann sich Nicolas Schlumberger trotz aller Kriegsgreuel die Hände
reiben. Er hatte internationaler gedacht als viele seiner Konkurrenten und auf den Bau des
Suezkanals gesetzt, in Aktien investiert. Als die Wasserstrasse mit großem Pomp und
Verdis prunkvoller Uraufführung von Aida eröffnet wird, können die Aktien der
Schlumberger nur noch steigen.
Wie passend und vielversprechend für
Nicolas, dass ausgerechnet jetzt sein Sohn Paul, inzwischen 22jährig, in das florierende
Geschäft einsteigen könnte. Der Vater hat ihn längst als Nachfolger vorgesehen und
glaubt, dass jetzt die Zeit für Berufspraxis gekommen ist. Aber hat er seinen Sohn
wirklich richtig eingeschätzt? Paul kann das Textilgeschäft und die zukünftige Arbeit
als Fabrikdirektor nicht leiden. Aus seinen Tagebüchern geht hervor, dass er sich für
einen Mann des Verstandes und nicht der Tat hält. Sein Traum ist es, Wissenschaftler zu
werden und das heimische Guebwiller endlich zu verlassen. Der rebellische junge Mann
fühlt sich eingesperrt in der Langeweile und Leere der gutsituierten Bourgeoisie. Fast
zynisch schreibt er in sein Tagebuch: Ich kann eine ganze Stunde mit meiner Mutter
zusammen sein, ohne ein einziges Wort zu wechseln, ein einziges liebevolles Wort, nein,
nichts. (Schl. S.4)
Die ständigen Vorstöße des Vaters
empfindet Paul als absurd. Er kann sich nicht vorstellen, eine Arbeit zu übernehmen, für
die er weder Qualifikationen noch Begeisterung aufbringen kann. Nein, er will studieren,
lernen, experimentieren, forschen. Sein Lebenstraum: Professor in den USA zu werden. Weg
von den deutschen Besatzern, weg aus der Enge der Bergtäler und ihren puritanischen
Traditionen. Nicht nur der fordernde Vater nagt an Pauls Nerven, weil er nicht
einverstanden ist, dass sein Junge kein Geld verdienen und stattdessen studieren will. Das
Industriellenleben ist Paul doppelt sauer geworden, weil er nicht mit ansehen mag, wie die
einst stolzen französischen Elsässer mit der neuen Macht kooperieren und wegen ihrer
Träume um Profit um die Deutschen buhlen. Paul liest heimlich schweizerische Zeitungen,
um den Anschluss an Frankreich nicht zu verlieren und plant in Gedanken seine Reise nach
Amerika. Familie und Liebe zu Frau und Kindern bleiben weiter seine erstrebenswerten
Ideale. Doch sein Geist soll frei bleiben. [...]
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ELSASS. WO DER ZANDER AM LIEBSTEN IM RIESLING SCHWIMMT.
S. 11-12,
mit freundl. Genehmigung des Carl Hanser Verlags, © by sanssouci im Carl Hanser Verlag
...Lydie
und ich stecken bis zu den verklebten Ellenbogen im Kürbis, schon die zweite Tonschüssel
quillt über vom saftigen Fruchtfleisch, das blumig duftet. Hier im Alsace Bossue, dem
Buckligen Elsass im Nordwesten an der Grenze zu Lothringen, ticken die Uhren etwas
langsamer, wird der alte Brauch noch nicht nach dem Vorbild von Supermarktketten in
Plastik und Spezialprodukten gefeiert.
Die Küche
in Lydies Hof ist ein Saal, geplättelt mit Zementfliesen aus Jugendstilzeiten, mit
verschlungenen Lilien in Kaffeebraun, Ocker und Himmelblau. Unsere Schritte hallen. Ein
Trog aus behauenem Granit dient als Spüle. Meinen neugierigen Blick an die Wand auf der
Schmalseite kommentiert Lydie sofort.
"Ein
alter Bäckerofen. Mein Großvater hat darin Flammekueche gebacken und das halbe Dorf
eingeladen. Ja, in dieser Küche könnte man ein ganzes Restaurant bekochen! Für uns
lohnt sich das nicht mehr, der Ofen frisst riesige Holzknüppel. Und im normalen Herd wird
der Flammekueche einfach nichts."
"Und
das da?" Ich deute auf zerknülltes Zeitungspapier in einem Korb.
Lydie
lacht. Mit ihren Sommersprossen und rotblonden Locken ähnelt sie einem irischen Klischee.
"Ach das - das braucht Mélie für die Kartoffeln heute Abend!"
Das
Geheimnis ihrer Haushaltshilfe, Kartoffeln noch kartoffeliger schmecken zu lassen, klingt
eigen. Keine Frage, dass dem in diesem Land fast heiligen Gemüse ein eigener Topf
reserviert wird! Am besten ein schwerer, aus Gusseisen und nicht emailliert. Nichts darf
ihn berühren außer Kartoffeln und ihren Zutaten. Nichts, vor allem kein Spülmittel. Er
wird mit Zeitungspapier ausgerieben, setzt Patina an und den rauchigen Duft frei, wenn
Mélie darin zuerst Zwiebeln und ganze Knoblauchzehen in wenig Schmalz andünstet, die
rohen, geschnittenen Kartoffeln dazu rührt und immer wieder mit dem hölzernen Löffel
wendet. Erst wenn die Kartoffeln leicht knusprig werden, kommt der schwere Deckel auf den
Topf. Mélie schwört auf den Holzherd. Da könnten die Bratkartoffeln stundenlang bei
niedrigster Hitze ohne Fett "reifen".
GESCHENKBÜCHER
In direkter
Zusammenarbeit mit Verlagen entwickle ich Geschenkbücher als Auftragsarbeiten oder nach
eigenen Themenvorschlägen. Mein Pseudonym für Geschenkbücher mit Zitaten ist VIOLA
BEER.
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