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Non-Fiction petra van cronenburg · TEXTE

SACHTEXTE · BELLETRISTIK · VERÖFFENTLICHUNGEN

 

SACHTEXTE

Wissenschaftliche Methodik, Quellenrecherche und intensive Arbeit mit Zeitzeugen führten während meines Studiums zum ersten längeren Sachtext ("Die Rolle der evangelischen Landeskirche Baden im Dritten Reich"). Als Journalistin blieb ich trotz unterschiedlicher Themen dieser Arbeitsweise verpflichtet: seriöse Recherche, Quellen und subjektiv Erzähltes zu einem aussagekräftigen Bild zu verknüpfen.

Auch formal vergrößerte sich die Vielfalt - ob Feature, Interview, Wissenschaftsbericht oder Nachrichtentext - die Form beeinflusst, wie ich Informationen transportieren kann, wen ich anspreche. Wichtig ist, dass Sachtexte jenseits der Genres informieren, vermitteln, interessieren, bereichern.

Als ich mich als Journalistin auf die Vermittlung hochkomplexer Sachverhalte und Human Interest spezialisierte, wurde der Wunsch nach der Grenzüberschreitung zur Belletristik wach.

Mein Ideal liegt deshalb im feuilletonistischen, erzählenden, literarischen Sachbuch. Ich möchte Leser mit gründlich recherchierten Fakten auf angemessenem Sprachniveau packen und begeistern, möchte die Geschichten und die Geschichte erzählen, die sich hinter den nackten Informationen verbergen.

Wenn sich ein Sachbuch so spannend oder vergnüglich liest wie ein Roman, wenn die Welt des Wissens mit den Sinnen erfahrbar und auch für die verfügbar wird, denen Spezialinformationen sonst verschlossen bleiben, bin ich meinem Weg ein Stück näher gekommen.

 

Meine Spezialgebiete:

Geschichte / Kultur(geschichte) / Kunst / Literatur (und verwandte Gebiete)

Meine Liebe zu bibliophiler Gestaltung und Klassikern führte zur Beschäftigung mit dem Segment Geschenkbuch.


Einen kleinen Einblick bekommen Sie hier:

KURZLESEPROBEN

© by PETRA VAN CRONENBURG, all rights reserved

Beachten Sie bitte, dass alle Texte geschützt sind und nur mit ausdrücklicher Erlaubnis des Rechteinhabers verwendet werden dürfen.

FRANCIS POULENC

aus dem Beiheft der DVD "Stabat Mater", produziert von BBC Opus Arte, Copyright für dt. Text und Redaktion Übersetzungen: Petra van Cronenburg

Francis Poulenc (07. Jan. 1899 - 30. Jan. 1963) hielt sich selbst zeitlebens für eine Janusfigur. Der Kritiker Claude Rostand brachte die Doppelnatur von Poulencs Seele mit zwei Worten auf den Punkt: Mönch und Lausbub. Tatsächlich verkörperte der Komponist wie kaum ein anderer sein Leben in der Musik. Am Anfang war es der exzentrische Libertinist mit einem ausgesprochenen Hang zur Unabhängigkeit, der Zirkus, Musikhallen, Jazz und populäre Melodien liebte. Er schloss sich der Künstlergruppe "Les Six" an und verweigerte sich wie seine Freunde deutschem Romantizismus und französischem Impressionismus. [...]

Im relativ kurzen Moment seiner Begegnung mit der Schwarzen Madonna hat Francis Poulenc erkannt, dass sich Religion und Lebensfreude, Spiritualität und Spaß, nicht ausschließen müssen. Die gütig lächelnde Königin auf dem Thron hat dem verzweifelten und entwurzelten Komponisten ein neues Leben nach dem Erlebnis des Todes geschenkt. Es ist das Leben eines Menschen, der weiterhin Grenzen sprengt, indem er Weltliches und Religiöses zu einer neuen Tiefe fusioniert. So kann es Poulenc selbst in seinem späten "Gloria" nicht lassen, aus der Musik des Kabaretts zu zitieren. Er selbst beschreibt den neuen Umgang mit dem Katholizismus in seinen Kompositionen so: "Ich dachte an jene Fresken von Gozzoli, auf denen die Engel ihre Zungen herausstrecken, und auch jene Benediktinermönche, die ich eines Tages Fußball spielen sah." [...]

*

Francis Poulenc (7 janvier 1899 - 30 janvier 1963) se considérait lui-même sa vie durant comme semblable à Janus, la divinité aux deux visages. Le critique Claude Rostand décrivait ainsi la nature double du musicien, en expliquant que deux âmes habitent Poulenc, celle d'un "mine" et celle d'un "voyou". En effet, le compositeur avait réussi comme aucun autre à matérialiser sa propre vie dans sa musique. Au début, il était le libertin excentrique ostensiblement indépendant, et aimait le cirque, les music-halls, le jazz et les mélodies populaires. Il rejoint le Groupe des Six et rejette, tout comme ses amis artistes, le romantisme allemand et l'impressionisme français. [...]

*

Francis Poulenc (7 January 1899 - 30 January 1963) always regarded himself as a Janus-faced figure. The critic Claude Rostand summed up his dual nature accurately by describing him as "part monk, part rascal". In fact Poulenc embodied his life in his music like hardly any other composer. Initially he was the eccentric libertine with a decided leaning towards independence, who loved the circus, the music hall, jazz and popular tunes. He joined the group of "Les Six" and, like his friends, rejected German romanticism and French impressionism. [...]

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SCHWARZE MADONNEN

aus dem Buch: Schwarze Madonnen. Mysterium einer Kultfigur, Hugendubel Verlag

[...] Echte Schwarze Madonnen sind ein Phänomen der Romanik und der frühen Gotik. Hergestellt ab etwa 1050 bis ins 13. Jahrhundert, liegt ihre Blütezeit genau um die Jahrtausendwende im 10. und 11. Jahrhundert, die bekanntesten, heute noch erhaltenen Statuen stammen aus dem 12. Jahrhundert. Gleichzeitig sind sie ein europäisches Phänomen, das zuerst jedoch auf Frankreich beschränkt bleibt, wo die berühmtesten Schnitzer in der Auvergne, der Bourgogne und dem Languedoc arbeiten, den von der Orthodoxie der römisch-katholischen Kirche am wenigsten berührten Provinzen. Die romanischen Madonnen auf dem Thron verbreiten sich schnell nach Spanien, und dies ist kein Zufall: Sie befanden sich nämlich ausnahmslos auf einem der sogenannten "Sternenwege" nach Compostela und dienten den Pilgern nicht nur als Orientierungspunkte. [...]

Aber die meisten Pilger waren auf dem Weg in die Krypta mit ihrer oft hochgerühmten Schwarzen Madonna. Das Allerheiligste lag hier – im Dunkel der Nacht: Notre Dame de la Nuit. Die Pilger auf dem Weg in die Krypta entfernten sich vom göttlichen Licht. Warum? Schwarz und Dunkel waren gefürchtet, waren die Farben der Teufel, die die Sünder auf Fresken und Skulpturen wie wilde Monster verschlangen! Eine Menge Mut brauchte es, dem Schwarz zu begegnen. Der Eintritt in die Krypta war kein leichter. Diesen Schritt tat man nicht eben einmal zur Besichtigung. Um den Ort der totalen Dunkelheit zu betreten, brauchte es Courage, den Sieg über die eigenen Ängste, Nachtmahre und Schattendämonen, die im Mittelalter so lebendig waren wie auf einem Gemälde von Hieronymus Bosch. Der Schritt über die Schwelle war ein Schritt ins Niemandsland, bedurfte der Gewöhnung, während das Herz noch vor Angst raste. Langsam kamen die Schatten näher, drang das Dunkel auf den Pilger ein.

Und wie das so ist mit der Angst, der man sich bewußt und mutig stellt, gab es einen Punkt, an dem sie sich auflöste und die befreiende Erkenntnis sich Luft machte: das Dunkel ist gar nicht schwarz. Der Pilger, der seine wahrhaft höllische Angst besiegte, wurde auf eine höhere Stufe gehoben: Dunkel wich Halbdunkel, die Unterwelt der Krypta der Zwischenwelt, in der alles möglich war, in der sich Schatten und Licht durchwoben wie ein dichter grauer Schleier. Langsam konnte der Pilger die Augen öffnen, die sich an die Räumlichkeiten der Krypta gewöhnt hatten. Die Schatten lösten sich auf, die schwarzen allesverschlingenden Löcher wichen wohlproportionierten Wänden, die skelettartigen fahlen Gegenstände wuchsen sich zu akanthusbewachsenen Pfeilern aus. Wagte es der Pilger, nun seine Augen ganz zu öffnen, war er umfangen von der wohlproportionierten Pracht eines Raumes, dessen Ebenmaß und Kreuzbogengewölbe ihm die Geborgenheit eines uralten Erdbauches vermittelten, den Schutz einer dunklen Grotte oder Höhle, die all ihre Schrecken verliert, weil sie den Pilger wie eine Mutter umfängt. [...]

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ERDÖLRAUSCH

Artikel Tageszeitung (erstmals veröffentlicht am 31.07.04)

[...] Mitten im Wald steht ein zierlicher Bohrturm. Holzgestänge, ein paar Sprossen – eine Weltsensation. Das war im Jahr 1813, als der Clan der Ölbarone den ersten Bohrturm der Welt errichten ließ. Im Land des vermeintlich ersten Ölrauschs, Amerika, fand man erst zwei Jahre später mit Hilfe der Seneca-Indianer überhaupt Erdöl. Das Stein- oder „Senecaöl“ wurde gegen Zahnschmerzen und Magenbeschwerden ebenso angewandt wie gegen Würmer oder Taubheit. Um es zu gewinnen, tunkte man Lumpen in die Brühe und wrang sie mühsam über Behältern aus.

Diese Technik hatten die Elsässer schon seit dem Mittelalter hinter sich gelassen. Damals hatte man Wildschweine beobachtet, die sich wie heute in den Öllachen wälzten, um Parasiten und Hautprobleme zu bekämpfen. Der Humanist Jakob Wimpfeling machte mit seiner Schrift von 1498 das schwarze Gold bekannt und pries seine Eigenschaften als Medikament, Schmiermittel und Lampenöl. Die Anfänge waren bescheiden. [...]

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GEBRÜDER SCHLUMBERGER

Copyright by Petra van Cronenburg

[...] Das Jahr 1871 ist nicht nur Schicksalsjahr für das nun zum deutschen Kaiserreich gehörende Elsass, sondern auch für die Familie Schlumberger. Der deutsch-französische Krieg hat das Elsass durch blutige Massaker geschwächt und Frankreich durch hohe Reparationskosten. Frankreich ist Republik geworden, in Elsass und Lothringen herrscht uneingeschränkt und deutlich Kaiser Wilhelm I. Die Hochkönigsburg in den Vogesen hat er in einer Mischung aus Kitsch, Fantasie und Stilgemengen als Residenz restaurieren lassen. Nicht selten hält er mit großem Gepränge in „seiner“ Burg Hof wie die kriegerisch-martialische Variante eines bayrischen Ludwig.

Der Gründer der Textilbetriebe Nicolas Schlumberger & Compagnie profitiert wie viele Großindustrielle der Region vom neuen Regime und weitet seinen Blick hoffnungsvoll in den Nahen Osten. Stoffe aus feinster ägyptischer Makobaumwolle, hochbegehrt bei der reichen Bourgeoisie, lassen sein Geschäft aufblühen. 1871 kann sich Nicolas Schlumberger trotz aller Kriegsgreuel die Hände reiben. Er hatte internationaler gedacht als viele seiner Konkurrenten und auf den Bau des Suezkanals gesetzt, in Aktien investiert. Als die Wasserstrasse mit großem Pomp und Verdis prunkvoller Uraufführung von Aida eröffnet wird, können die Aktien der Schlumberger nur noch steigen.

Wie passend und vielversprechend für Nicolas, dass ausgerechnet jetzt sein Sohn Paul, inzwischen 22jährig, in das florierende Geschäft einsteigen könnte. Der Vater hat ihn längst als Nachfolger vorgesehen und glaubt, dass jetzt die Zeit für Berufspraxis gekommen ist. Aber hat er seinen Sohn wirklich richtig eingeschätzt? Paul kann das Textilgeschäft und die zukünftige Arbeit als Fabrikdirektor nicht leiden. Aus seinen Tagebüchern geht hervor, dass er sich für einen Mann des Verstandes und nicht der Tat hält. Sein Traum ist es, Wissenschaftler zu werden und das heimische Guebwiller endlich zu verlassen. Der rebellische junge Mann fühlt sich eingesperrt in der Langeweile und Leere der gutsituierten Bourgeoisie. Fast zynisch schreibt er in sein Tagebuch: „Ich kann eine ganze Stunde mit meiner Mutter zusammen sein, ohne ein einziges Wort zu wechseln, ein einziges liebevolles Wort, nein, nichts.“ (Schl. S.4)

Die ständigen Vorstöße des Vaters empfindet Paul als absurd. Er kann sich nicht vorstellen, eine Arbeit zu übernehmen, für die er weder Qualifikationen noch Begeisterung aufbringen kann. Nein, er will studieren, lernen, experimentieren, forschen. Sein Lebenstraum: Professor in den USA zu werden. Weg von den deutschen Besatzern, weg aus der Enge der Bergtäler und ihren puritanischen Traditionen. Nicht nur der fordernde Vater nagt an Pauls Nerven, weil er nicht einverstanden ist, dass sein Junge kein Geld verdienen und stattdessen studieren will. Das Industriellenleben ist Paul doppelt sauer geworden, weil er nicht mit ansehen mag, wie die einst stolzen französischen Elsässer mit der neuen Macht kooperieren und wegen ihrer Träume um Profit um die Deutschen buhlen. Paul liest heimlich schweizerische Zeitungen, um den Anschluss an Frankreich nicht zu verlieren und plant in Gedanken seine Reise nach Amerika. Familie und Liebe zu Frau und Kindern bleiben weiter seine erstrebenswerten Ideale. Doch sein Geist soll frei bleiben. [...]

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ELSASS. WO DER ZANDER AM LIEBSTEN IM RIESLING SCHWIMMT.

S. 11-12, mit freundl. Genehmigung des Carl Hanser Verlags, © by sanssouci im Carl Hanser Verlag

...Lydie und ich stecken bis zu den verklebten Ellenbogen im Kürbis, schon die zweite Tonschüssel quillt über vom saftigen Fruchtfleisch, das blumig duftet. Hier im Alsace Bossue, dem Buckligen Elsass im Nordwesten an der Grenze zu Lothringen, ticken die Uhren etwas langsamer, wird der alte Brauch noch nicht nach dem Vorbild von Supermarktketten in Plastik und Spezialprodukten gefeiert.

Die Küche in Lydies Hof ist ein Saal, geplättelt mit Zementfliesen aus Jugendstilzeiten, mit verschlungenen Lilien in Kaffeebraun, Ocker und Himmelblau. Unsere Schritte hallen. Ein Trog aus behauenem Granit dient als Spüle. Meinen neugierigen Blick an die Wand auf der Schmalseite kommentiert Lydie sofort.

"Ein alter Bäckerofen. Mein Großvater hat darin Flammekueche gebacken und das halbe Dorf eingeladen. Ja, in dieser Küche könnte man ein ganzes Restaurant bekochen! Für uns lohnt sich das nicht mehr, der Ofen frisst riesige Holzknüppel. Und im normalen Herd wird der Flammekueche einfach nichts."

"Und das da?" Ich deute auf zerknülltes Zeitungspapier in einem Korb.

Lydie lacht. Mit ihren Sommersprossen und rotblonden Locken ähnelt sie einem irischen Klischee. "Ach das - das braucht Mélie für die Kartoffeln heute Abend!"

Das Geheimnis ihrer Haushaltshilfe, Kartoffeln noch kartoffeliger schmecken zu lassen, klingt eigen. Keine Frage, dass dem in diesem Land fast heiligen Gemüse ein eigener Topf reserviert wird! Am besten ein schwerer, aus Gusseisen und nicht emailliert. Nichts darf ihn berühren außer Kartoffeln und ihren Zutaten. Nichts, vor allem kein Spülmittel. Er wird mit Zeitungspapier ausgerieben, setzt Patina an und den rauchigen Duft frei, wenn Mélie darin zuerst Zwiebeln und ganze Knoblauchzehen in wenig Schmalz andünstet, die rohen, geschnittenen Kartoffeln dazu rührt und immer wieder mit dem hölzernen Löffel wendet. Erst wenn die Kartoffeln leicht knusprig werden, kommt der schwere Deckel auf den Topf. Mélie schwört auf den Holzherd. Da könnten die Bratkartoffeln stundenlang bei niedrigster Hitze ohne Fett "reifen".

GESCHENKBÜCHER

In direkter Zusammenarbeit mit Verlagen entwickle ich Geschenkbücher als Auftragsarbeiten oder nach eigenen Themenvorschlägen. Mein Pseudonym für Geschenkbücher mit Zitaten ist VIOLA BEER.

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van Cronenburg

 

© by Petra van Cronenburg, all rights reserved (für Webdesign, Grafiken, Fotos, Texte). Mitglied in VG Wort und VG Bild & Kunst. Disclaimer