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SEHEN - HÖREN - RIECHEN - SCHMECKEN - FÜHLEN


KLEINER ELSÄSSISCHKURS ZUM ESSEN

Elsässisch ist eine musikalische, mal deftig-derbe, mal poetische Sprache. Zum Übersetzen oft zu schade, weil die Nuancen verloren gehen - aber leicht verstehbar, wenn man die lautmalerischen Worte ausspricht und ihnen nachhört. Kein Wunder, dass es besonders viele Geräusche um eine der Lieblingsbeschäftigungen gibt - das Essen und Trinken!

DER HUNGER ZUVOR

Was gibt es Schöneres vor dem Essen als so einen richtigen Heißhunger, den der Elsässer einen hirnwüeti Hunger nennt, weil er das Denken lähmt und einen verrückt macht. S'esch mer gankelig, heißt es vom Magen, wenn er leichte Geräusche von sich gibt und flau ist. Made im Büch kann man schon deutlicher fressen hören, bevor es dann rosselt, rumpelt und knurrt!

GERÄUSCHE BEIM ESSEN

Wer Made im Büch hatte, düet d Wurmlöcher stopfe. Geräuschvoll geht das immer zu. Von manchen sagt man: Dr vertraat Schuenäjel. Wenn's einer zu wild treibt, fragt man ihn: Was hesch zue krafle? Leute mit vergessenem Gebiss sind da schon leiser - sie muffle und drüele. Wer sich nicht benimmt, knatscht wie-n-e Soi oder wurgst sogar am Tisch! Und die Suppe kann man zurpfe, schlurpfe oder schlappere.

ESSBAR???

Da wären noch seltsam geräuschvolle Anleihen ans Kulinarische... So halten Elsässer keine Gardinenpredigten, sondern servieren Brummelsupp! Natürlich gibt's auch die Gigelisupp zur allgemeinen Belustigung. Nein - der Schnuffelsalat schnüffelt auf dem Tisch nicht mehr, da ist die Spezialität aus Ochsenmaul ganz still. Weniger zurückhaltend gibt man sich bei einer Fasnachtsspezialität, die Deutsche dezent als "Nonnenseufzer" übersetzen. Im Elsass sind es ganz logisch Nunnepfittele, also Nunnefirzle. Auf die Nerven können einem die Kaffeetanten gehen. Warum? D Kaffeeschlurfe sind nicht grade leise, wenn se Kaffee asse! Und essen müssen sie ihn, mit all dem Eingetunkten.

TRINKBAR!!!

Kein Essen ohne Trinken und für das Wort "trinken" haben die Elsässer eine ganz eigene Vielfalt: (ex) birschte, läppere, lapple, sirfle, sifle, süfe, mammle, versüeche, packe, lipfe, pfetze, schlepple, düdle, päpere, memme, bimbere, bechere, blose, düddle, hebbe, lesche, trepfle.

Da möchte man dann tatsächlich liewer met de Gläser anstosse als met de Kepf!

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Petra van Cronenburg: Elsass. Wo der Zander am liebsten im Riesling schwimmt. Sanssouci im Carl Hanser Verlag

 


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