| Mut zum
Fühlen Bei dieser Art des Reisens ist
mir aufgefallen, wie verstopft unsere Sinne doch sind. Natürlich müssen wir bei der
Reizüberflutung im Alltag auch "dicht machen", um überleben zu können. Sie
werden nach dieser Art des Reisens merken, warum. Solche intensiven Sinneserlebnisse
können berauschen und beflügeln!
Mir, die ich mit
Sprache arbeite und in meinem Buch Sinneseindrücke zu vermitteln versuche, ist außerdem
aufgefallen, dass unsere Sprache für manche Sinne eine Fülle von Wörtern bereit hält,
von Vergleichen. Und bei anderen Sinneseindrücken tut man sich schwerer in der
Beschreibung. Das Riechen ist so eine Sache. Weil es subjektiv ist und weil die
natürlichen Buketts jedes komplexe Parfum übertreffen. Wir haben nicht so viele Sätze
wie Duftnoten.
Und mit dem Fühlen ist
das auch so eine Sache. Das fällt den meisten schwer. Viele machen es nie. Manchen würde
es einfach nicht einfallen. Warum? Weil wir als Kinder erzogen wurden, ja nichts
anzufassen? Weil alles, was spannend, interessant und anregend ist in den Museen, nicht
berührt werden darf?
Beobachten Sie sich
einmal, wenn Sie durch eine Landschaft gehen, wie oft sie etwas bewusst berühren, um
seine Struktur, seine Weichheit, Härte oder Konsistenz zu untersuchen! Haben Sie schon
einmal Flechten an einem rissigen Baum gestreichelt? Wie fühlt sich ein Burgturm im
Schatten an, wie ein Sandsteinfels in der Abendsonne? Streichen Sie durch eine Wiese,
klopfen Sie auf einen Munsterkäse, zerreißen Sie genüßlich einen Kugelhopf!
Lassen Sie sich vom
Elsass berühren:
Petra
van Cronenburg: Elsass. Wo der Zander am liebsten im Riesling schwimmt. Sanssouci im Carl
Hanser Verlag. |